KI-gestützt texten: So formulieren Sie Prompts richtig, geben der KI genau das, was sie braucht – und vermeiden den typischen Unfug

KI-Tools wie ChatGPT, Claude, Grok oder Gemini sind längst keine Spielerei mehr. Sie können Pressemitteilungen, Blogbeiträge, Newsletter oder Social-Media-Texte in Rekordzeit vorformulieren – vorausgesetzt, Sie wissen, wie man sie richtig einsetzt. Der größte Fehler vieler Anfänger: Man wirft der KI einfach ein paar Stichworte hin und wundert sich dann über blumigen Blödsinn, erfundene Fakten oder austauschbare Phrasen.

In diesem Leitfaden zeige ich Ihnen Schritt für Schritt, wie Sie Prompts professionell formulieren, was die KI mindestens braucht, wie Sie Halluzinationen und Fachwissens-Lücken von vornherein ausschalten und wie Sie die KI anschließend lückenlos kontrollieren. Am Ende stehen Texte, die nicht wie „KI“ klingen – sondern wie Sie.

1. Wie formuliere ich einen guten Prompt? (Die 7 Erfolgs-Regeln)

Ein guter Prompt ist kein Wunschzettel, sondern ein präziser Arbeitsauftrag. Merken Sie sich die Formel:

Rolle + Aufgabe + Kontext + Format + Einschränkungen + Beispiele + Iterations-Anweisung

Konkret:

  • Rolle zuweisen „Du bist ein erfahrener PR-Texter mit 15 Jahren Erfahrung bei der Deutschen Presse-Agentur.“
  • Aufgabe exakt definieren Statt „Schreib eine Pressemitteilung über unser neues Produkt“ besser: „Verfasse eine Pressemitteilung zur Markteinführung unseres neuen CRM-Systems ‚FlowMaster 2026‘.“
  • Kontext liefern Zielgruppe, USP, aktuelle Marktlage, Tonfall, verbotene Formulierungen.
  • Format vorgeben Länge, Überschriften-Struktur, Absatzlänge, gewünschte Elemente (Zitat, Boilerplate, Call-to-Action).
  • Einschränkungen setzen „Keine Floskeln wie ‚wegweisend‘ oder ‚revolutionär‘, maximal 3 Adjektive pro Absatz, Duden-konform.“
  • Beispiel geben (Few-Shot-Prompting) Fügen Sie eine gute alte Pressemitteilung bei und sagen: „Schreibe im gleichen Stil wie dieses Beispiel.“
  • Iterations-Anweisung „Nach dem ersten Entwurf frage mich nach fehlenden Details, bevor du weiterarbeitest.“

Beispiel-Prompt (kopierbar):

„Du bist ein PR-Profi mit Schwerpunkt IT. Verfasse eine einseitige Pressemitteilung (ca. 350 Wörter) zur Einführung unseres neuen CRM-Systems ‚FlowMaster 2026‘. Zielgruppe: Mittelständische Unternehmen in Deutschland. Ton: sachlich, kompetent, kundenorientiert, keine Übertreibungen. Wichtige Fakten: Launch 15. April 2026, 40 % schnellere Prozesse, DSGVO-konform, Preis ab 49 €/Monat. Struktur: Überschrift, Teaser, 3 Absätze Nutzen, Zitat Geschäftsführer, Boilerplate. Keine Floskeln wie ‚revolutionär‘ oder ‚innovativ‘. Schreibe auf Deutsch, Duden-konform.“

2. Was braucht die KI mindestens? (Die 5 unverzichtbaren Zutaten)

Ohne diese fünf Angaben produziert jede KI nur Allgemeinplätze:

  1. Klares Ziel (Was soll der Text bewirken?)
  2. Zielgruppe (Wer liest das genau?)
  3. Wichtige Fakten & Zahlen (am besten in Stichpunkten)
  4. Stil & Ton (inkl. Verbote!)
  5. Struktur & Länge

Tipp aus der Praxis: Legen Sie sich eine „KI-Briefing-Vorlage“ an (Word oder OneNote). Die füllen Sie einmal aus und kopieren Sie in jeden Prompt. Das spart 80 % der Denkarbeit.

3. Wie vermeide ich den typischen KI-Unfug durch mangelnde Sach- und Fachkenntnis?

KI hat kein echtes Wissen – sie kombiniert nur Wahrscheinlichkeiten. Deshalb halluziniert sie bei Fachfragen munter drauflos. Vier bewährte Gegenmaßnahmen:

  • Methode A: „Grounding“ – Fakten zuerst Geben Sie der KI alle relevanten Quellen direkt mit (PDFs, Webseiten-Auszüge, eigene Texte). Prompt-Zusatz: „Verwende ausschließlich die folgenden Fakten und erfinde nichts hinzu.“
  • Methode B: Experten-Rolle + Quellenpflicht „Du bist Fachjournalist beim Handelsblatt. Belege jede Behauptung mit einer der folgenden Quellen oder sage explizit ‚nicht belegt‘.“
  • Methode C: Chain-of-Thought + Selbstkritik „Denke zuerst Schritt für Schritt über mögliche Fehlerquellen nach, bevor du schreibst. Liste am Ende alle Behauptungen auf, die du nicht 100 % aus meinen Angaben ableiten konntest.“
  • Methode D: RAG light Bei komplexen Themen erst einen separaten Recherche-Prompt laufen lassen und das Ergebnis in den Schreib-Prompt einfügen.

4. Wie kontrolliere ich die KI? (Das 3-Stufen-Kontrollsystem)

Stufe 1 – Sofort-Check (nach erstem Entwurf)

  • Passt der Ton?
  • Sind alle Fakten korrekt?
  • Klingt es wie KI (Adjektiv-Häufungen, Wiederholungen, leere Phrasen)?

Stufe 2 – Iterations-Schleife Schicken Sie konkrete Nachbesserungs-Prompts: „Der zweite Absatz ist zu werblich. Mach ihn sachlicher und füge eine konkrete Nutzenzahl ein. Kürze um 20 %. Behalte die Überschrift bei.“

Stufe 3 – Menschliche Endkontrolle

  • Fact-Checking mit Originalquellen
  • SEO-Check (Keywords einbauen bzw. anpassen)
  • Vorlesen (klingt es natürlich?)
  • Plagiats-Check (z. B. mit Copyleaks oder SmallSEOTools)

Pro-Tipp: Arbeiten Sie mit zwei Fenstern – eines für die KI, eines für Ihren eigenen „rohen“ Entwurf. So bleiben Sie immer der Autor.

Fazit: KI ist kein Ersatz, sondern Ihr schärfstes Werkzeug

Wer die KI nur als besseren Auto-complete benutzt, bekommt mittelmäßige Texte. Wer sie jedoch mit präzisen Prompts, ausreichend Kontext und strenger Kontrolle führt, spart enorm viel Zeit – und produziert bessere Texte als vorher.

Mein Prompt für diesen Beitrag

Du ahnst es vielleicht, der ganze Text ist von einer KI geschrieben, in diesem Fall Grok. Hier ist mein ursprünglicher Prompt:

Als Autor von pressemitteilung.top möchte ich Lesern Tipps zum Schreiben von Texten mit KI-Unterstützung geben. Wie formuliere ich einen Prompt? Was braucht die KI mindestens? Wie vermeide ich den typischen Unfug durch mangelnde Sach- und Fachkenntnis zum Thema? Wie kontrolliere ich die KI? Den Artikel sollst natürlich du für mich schreiben. Stell dir einfach vor, du bist ein erfahrener PR-Autor, der bereits viele Jahre KI zur Unterstützung und Zeitersparnis einsetzt!

So fand Grok meine Eingabe

Natürlich habe ich mir direkt Feedback geholt:

Dein Beispiel-Prompt aus dem Artikel ist schon sehr solide – er enthält Rolle, Aufgabe, Kontext, Format und Einschränkungen. Das ist deutlich besser als 90 % der Prompts, die die meisten Nutzer schreiben.